Tabak & Cigar-Information
Havanna-Zigarren vom „Anpflanzen“ bis „Zum Rauchen“
Was ist eigentlich alles nötig, bis man eine Zigarre geniessen kann? Haben Sie eine Vorstellung wie viele Schritte nötig sind, um ein solches „kleines Kunstwerk“ herzustellen? Zu diesem Zweck soll dieses Merkblatt ihnen einen kurzen Einblick geben. Dann wissen sie auch, warum wir von einem kleinen Kunstwerk sprechen.
Eine Zigarre ist in drei Hauptteile aufgebaut: Von aussen das Deckblatt, das Umblatt und die Einlage.
Es gibt zwei verschiedene Typen von Zigarren, die Longfiller und die Shortfiller. Bei der Shortfiller besteht die Einlage aus kleineren Stücken von Tabak und sind maschinell hergestellt. Bei der Longfiller besteht die Einlage aus drei verschiedenen Blättern von Tabak, welche ganz sind. Sie haben verschiedene Eigenschaften. Diese drei nennt man Ligero, Seco und Volado. Das Ligeroblatt gibt Kraft und Aroma, das Voladoblatt ist mild mit besonderen Brandeigenschaften und das Secoblatt trägt auch zum Aroma bei, ist aber milder als das Ligroblatt.
Tabakpflanze
Es werden hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Pflanzen verwendet: die Corojopflanze für die Einlagen der Zigarre und die Crillopflanze für die Deckblätter.
Innerhalb von vier Monaten wachsen die Samen zu einer stattlichen Pflanze heran.
Dann braucht es nochmals ca. 5 Monate, bis sie reif sind zum Ernten. Während dieser Zeit sind zahlreiche Kontrollgänge in der Plantage nötig, um bereits hier eine hohe Qualität zu gewährleisten. Schlussendlich werden die Tabakblätter dann von Hand gepflückt.
Die Pflanzen, die die Deckblätter liefern, werden unter Gazestoffen auf Plantagen gezogen. Diese bekommen so keine direkte Sonneneinstrahlung, was zu einer sehr schönen und gleichmässigen Färbung der Deckblätter verhilft. Sehr bekannt ist der Begriff „Connecticut Shade“ für Deckblätter aus den USA.
Trocknen
Die Tabakblätter werden dann fürs erste luftgetrocknet. Die Dauer hängt vom Verwendungszweck der Blätter ab, für Deckblatt, Umblatt oder Einla-ge.
Lagern
Nach dem Trocknen werden die Blätter in Ballen verpackt und in ein Ge-bäude gebracht, wo die erste natürliche Fermentation stattfindet. Bei die-ser Fermentation werden Unreinheiten reduziert. Das heisst, der Gehalt an Harz, Nikotin und Säuren wird abgebaut. Dies dauert ca. 6 Monate. Danach werden die Blätter unterteilt, je nach Grösse, Farbe und Struktur.
Dann erfolgt die zweite Fermentation. Bei dieser werden die Blätter mit Wasser besprüht. Dabei werden auch noch die Mittelrippen entfernt. Nun liegen die Ballen bei kontrollierter Temperatur in Lagerhäusern. Dort bleiben diese zwischen 9 Monaten, je nach Qualität aber auch bis zu zwei Jahren.
Rollen
Die Arbeit beginnt damit, dass der torcedor das Umblatt auf der tabla aus-breitet und die Blätter für die
Einlage auswählt und anordnet. Mit den Händen formt er daraus den Zylinder (bonche). Dieser kommt dann für etwa 30Min. in eine Holzform, wo er gepresst wird und seine Form erhält. In der Zwischenzeit bereitet der torcedor das halbe noch feuchte Deckblatt vor und bearbeitet es mit seiner chaveta. Dann umhüllt er damit den bonche. Das Deckblatt streckt sich dabei und liegt dem Zylinder ganz dicht an. Zum Schluss gestaltet er noch den Kopf der Zigarre.
Schlusskontrolle und Verpacken
Ausgesuchte Männer beurteilen die Zigarre nach Zug, Stärke, Aroma, Brand und Geschmack. Schliesslich legt man die Havannas für ungefähr eine Woche in Schränke mit stabilen Umweltbedingungen: Temperatur von 16-18°C und eine relative Feuchte von 65-70% herrschen vor. Danach werden die Zigarren mit einer Bauchbinde und nach Farbton in Schachteln verpackt. Hier wird darauf geachtet, das links die Dunkelste und auf der rechten Seite die Hellste zu liegen kommt.
Nach all diesen Produktionsschritten ist nun endlich die Zigarre zum Rauchen bereit. Wenn man die ganze Zeit, die benötigt wird zusammenzählt, dauert die Herstellung mindestens 2 oder noch mehr Jahre. Darum darf man sicherlich von einem „kleinen Kunstwerk“ sprechen.
Fehler
Nicht nur die Einlage ist von Wichtigkeit bei der Qualität und Rauchverhal-ten der Zigarre, sondern auch wie die Blätter zusammengerollt worden sind. Falls hier etwas falsch gemacht wurde, zieht die Zigarre schlecht oder brennt ungleichmässig ab. Hauptgrund ist dann meist, die falsche Verteilung der Einlage oder das zu starke oder zu schwache Rollen.
Auswahl der Zigarre
Das Aussehen einer Zigarre ist beim Kauf eines der wichtigsten Kriterien. Noch vor dem Geruch und dem Geschmack beurteilen wir die Zigarre nach dem Aussehen des Deckblattes. Man kann davon ausgehen, wenn das Deckblatt von hoher Qualität ist, wird die ganze Zigarre einen gewissen Standart aufweisen. Wenn man eine Kiste öffnet, sollten höchstens ganz feine Abweichungen der Deckblattfarben zu erkennen sein.
Das Deckblatt sollte von feiner Struktur und makelloser Färbung sein. Es darf nur feine Adern zeigen und keine Fermentationsfehler aufweisen. Das Deckblatt muss tadellos um die Zigarre gewickelt sein. Das Abschlusskäppchen am Mundende muss aus dem gleichen Blatt geformt und sauber angeklebt sein. Ein perfektes Deckblatt hat einen seidigen, leicht öligen Glanz und darf auf keinen Fall trocken aussehen
Auch darf man bei der Auswahl seiner Zigarre nicht annehmen, je dunkler sie aussieht, desto kräftiger sei diese. Die verborgene Einlage bestimmt zum grössten Teil die Stärke und Geschmack der Zigarre!
Wir wünschen Ihnen in diesem Sinne viel rauchigen Genuss.
Author: Erwin Meier, SmoLi-Member